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Unsere Reisebeschreibung:
Florenz und die Renaissance sollen im Mittelpunkt unserer Studienreise stehen.
Nirgends auf der Welt existiert eine derartige Dichte an Bauten, Bildern und Skulpturen der Renaissance wie in Florenz. Die 2000-jährige Stadt erlebte im 15. Jh. ihre kulturelle Blütezeit. Mit nicht einmal 100 000 Einwohnern war Florenz zu dieser Zeit das Zentrum des europäischen Geisteslebens.
Mit der Hinwendung zur sichtbaren, sinnlich-anschaulichen Welt, mit dem Individualismus (Verantwortung für das eigene Schicksal, Menschenwürde, Humanismus) und mit ihrer rationalen Denkweise hat die Renaissance Grundelemente der modernen Weltauffassung klar formuliert. Künstlerischer Ausdruck und Höhepunkt dieser Epoche bilden sicherlich die Werke Michelangelos. Aber nicht „die Rückbesinnung auf antike Vorbilder war der Motor, der die Renaissancebewegung antrieb, sondern es war umgekehrt das Streben nach einer Erfassung aller Phänomene der diesseitigen Realität, das den Künstlern erneut die Augen für die Werke der Antike öffnete.“ (Meyers kleines Lexikon Kunst, 1986)
Bereits im 13. Jh. entwickelte sich die Handelsstadt zu einer Hauptstadt der Kultur. Hier sind Dante Alighieri - als größter Dichter italienischer Sprache - und Giotto zu nennen. Er löste sich von der symbolhaften Malweise seiner Vorgänger und vollzog die ersten großen Schritte zum Realismus, zur Darstellung der diesseitigen Welt. „Seine Menschengestalten werden in voller, dreidimensionaler Körperlichkeit dargestellt, sie bewegen sich in Landschaften und Architekturen des Alltagslebens und zeigen erstmals psychologischen Ausdruck.“ (DuMont Florenz, 1995)
In der Frührenaissance folgten Brunelleschi, Donatello und Masaccio. Um 1420 begründete der Architekt Brunelleschi, ein überragender Mathematiker, die Geometrie der Zentralperspektive. Unangefochten führender Bildhauer war Donatello, vor allem wegen der Tiefe seiner psychologischen Ausdruckskraft. Wie Brunelleschi die Architektur und Donatello die Bildhauerei, so revolutionierte Masaccio die Malerei im 15. Jh. Alles an seinem Stil war neu und wegweisend: die klare, überlegte Raumaufteilung (Komposition), die kraftvollen, individuell gestalteten Personen, die zuvor undenkbare Intensität des psychologischen Ausdrucks, die Licht- und Schattenwirkungen. Masaccio hatte die Menschen zum eindeutigen Mittelpunkt seiner Bilder gemacht - er war interessiert an ihren Bewegungen, ihrer Anatomie und an ihren Gefühlen. Nicht mehr das Gewand ist Ausdrucksträger, sondern er weist dem menschlichen Körper artikulierende Funktion zu. „Der gute Maler habe“, so Leonardo da Vinci, „vor allem zwei Gegenstände zu malen, den Menschen und die Absicht seiner Seele.“ Er müsse imstande sein, Gefühlsregungen darzustellen wie „Zorn, Schmerz, plötzliches Erschrecken, Weinen, Überschwang, Begierde, Beherrschung, Gleichgültigkeit, Besorgnis.“ (Peter Burke, Die Renaissance in Italien, 1996)
Oben genannten Künstlern (und noch vielen mehr) werden wir in Florenz begegnen und können sie (durch ihre Werke) kennenlernen. Wir werden sie antreffen im Dom, in der Accademia, im Bargello, in Santa Croce, in den Uffizien, in der Cappella Brancacci, in San Lorenzo, in Santa Maria Novella und an weiteren Orten. Eine Kunst-Reise ist aber auch undenkbar ohne Kunst-Pausen. Wir werden uns also auch hierfür genügend Zeit nehmen - und eine passende Atmosphäre dazu.
1. Tag: Anreisetag
2. Tag: Dom, Baptisterium, Dommuseum, Orsanmichele, Piazza della Signoria, Ponte Vecchio, Piazzale Michelangelo
Das erste Ziel unserer Reise führt uns zum Dom Santa Maria del Fiore, bei seiner Fertigstellung 1434 die größte Kirche Europas. Auf den ersten Blick befremdend sind die Außenwände: Weißer, roter und grüner Marmor wurde für die Verkleidung des Baus (19. Jh.) verwendet. Baumeister der Domkuppel war Filippo Brunelleschi. Die herrlichen Fresken des Jüngsten Gerichts von Vasari sind hier zu bewundern. Architekt des Campanile, des Glockenturms, war der berühmte Maler Giotto. Einen ersten Überblick auf die Stadt bietet uns die Aussicht vom Campanile. Alternativ und mindestens ebenso eindrucksvoll ist aber auch in schwindelnder Höhe der Rundgang innerhalb der Domkuppel.
Das Baptisterium, die Taufkirche, direkt neben dem Dom und ca. 300 Jahre zuvor entstanden, zählt zu den ältesten Gebäuden der Stadt. Vorbild war das Pantheon in Rom, ein monumentaler Rundbau. Die Kuppel hier ist vollständig mit mittelalterlichen Mosaiken ausgeschmückt. Die dem Dom zugewandten Bronzetüren - von Michelangelo bewundernd Paradiespforte genannt - erzählen Episoden aus dem Alten Testament und stammen von Lorenzo Ghiberti, der als der erste bedeutende Bildhauer der Renaissance gilt.
An der Rückseite des Doms befindet sich das Dommuseum. Der Besuch lohnt allemal, da sich auf engem Raum eine Fülle von Meisterwerken befindet, u.a. die Pieta von Michelangelo, desweiteren Werke von Donatello und Giotto sowie die Originalreliefs der Paradiespforte.
Eine der interessantesten Kirchen von Florenz ist sicherlich Orsanmichele, denn das Gebäude diente ursprünglich als Halle für den Getreidemarkt. Die Verehrung eines Marienbildes gab den Ausschlag, die Arkaden zu schließen (1367-80) und einen Gebetsraum zu schaffen. Allerdings dienten die beiden oberen Stockwerke bis ins 16. Jh. weiter als Getreidespeicher.
Der weitere Verlauf des Tages ist der Orientierung in Florenz vorbehalten, wobei wir uns von wichtigen Sehenswürdigkeiten leiten lassen wollen: Wir gelangen zur Piazza della Signoria, seit über 700 Jahren das politische Zentrum der Stadt. Das Rathaus, der Palazzo Vecchio, beherrscht mit seinem hohen Turm die Piazza. Auf der Piazza, vor dem Rathaus und in der Loggia dei Lanzi, einer hohen Bogenhalle, befindet sich eine Fülle von Skulpturen. Das berühmteste Werk ist sicherlich der David von Michelangelo. Bei der Statue handelt es sich allerdings um eine Kopie, sie wurde 1873 ausgetauscht. Wir sehen Donatellos Judith und Holofernes und in der gotischen Loggia selbst können wir Cellinis Perseus bewundern. Wir gehen weiter zur schönsten und ältesten (1345) Arno-Brücke, der Ponte Vecchio, deren Läden heutzutage Gold- und Silberschmuck beinhalten. Hier ist auch die Möglichkeit zu einem ersten Kontakt und zu einem Gespräch mit Malern des heutigen Florenz.
Zu Fuß oder mit dem Bus - je nach Lust, Zeit und Laune - erreichen wir den Piazzale Michelangelo, sehen erneut eine Kopie des David, haben vor allem aber einen „Postkartenblick“ auf Florenz. Wer dann noch möchte, kann aufsteigen zur Kirche San Miniato al Monte, sie zählt zu den ältesten und schönsten romanischen Gotteshäusern der Stadt.
3. Tag: Accademia, San Marco, Piazza Santissima Annunziata, Piazza de´ Ciompi, Casa Buonarroti, Santa Croce, Fiesole
Wir machen da weiter, wo wir gestern aufgehört haben, nämlich bei Michelangelos David, einer Skulptur, die zur Symbolfigur der Renaissance schlechthin geworden ist. Niemals zuvor in der europäischen Neuzeit sind souveräne Selbständigkeit und ruhiges Selbstbewusstsein in einem bildhauerischen Werk so deutlich dargestellt worden. Neben dem David finden sich in der Galleria dell´ Accademia weitere Hauptwerke Michelangelos. Die vier Gefangenen oder Sklaven waren ursprünglich für ein Grabmal des Papstes Julius II. bestimmt - und gerade in diesen „Unvollendeten“ wird die Spannung anschaulich zwischen Körper und Seele, die Vorstellung von der Materie als einem Gefängnis. Die Figuren scheinen sich befreien zu wollen von der materiellen Gebundenheit. Neben vielen weiteren Skulpturen sehen wir von Michelangelo noch den Evangelist Matthäus und die Pieta von Palestrina, sie gehört zu den letzten Arbeiten des Künstlers. Neben diesen Kunstschätzen umfasst die Galerie auch eine umfassende Sammlung florentinischer Gemälde.
Eine kurze Pause gönnen wir uns auf der Piazza San Marco, in einer der Bars um die Universität. Das Kloster San Marco war eines der Hauptzentren des geistigen und künstlerischen Lebens der Stadt Florenz in der Renaissance. Hier wohnten und wirkten Fra Bartolomeo und Savonarola. Letzterer wurde mit seinen Anhängern Fra Domenico und Fra Silvestro am 23. Mai 1498 auf der Piazza della Signoria erhängt und verbrannt. Das Kloster wurde 1920 in ein Museum umgewandelt und bietet Gelegenheit, sich einem der liebenswertesten und ansprechendsten Maler der Frührenaissance zuzuwenden, dem Mönch Fra Angelico. Er hat zwischen 1436 und 1445 die Zellen dieses Klosters, in denen er als Bruder lebte, ausgemalt.
Nur ein paar Schritte und wir erreichen die Piazza Santissima Annunziata. Die Ursprünge der Basilika, die von den Serviten erbaut wurde, gehen auf die Mitte des 13. Jahrhunderts zurück. Den entscheidenden Akzent dieser harmonischen Platzanlage - mit den Bogenreihen, dem Reiterstandbild und den Brunnen - setzte Brunelleschi mit dem „Findelhaus“, dem Ospedale degli Innocenti, das der Versorgung unschuldiger Findelkinder diente. Über 400 Jahre lang, bis 1875 konnten arme Mütter ihre Kinder in der linken Ecke unerkannt in einen drehbaren Holzzylinder legen. In manchen von schweren Hungersnöten und Seuchen heimgesuchten Jahren machten bis zu 900 Frauen davon Gebrauch.
Wir gehen ein Stück die Via d. Servi zurück, biegen nach links und gelangen nach einer kurzen Wegstrecke auf die stimmungsvolle Piazza de´ Ciompi (dt. Wollschläger), wo uns ein Antiquitäten- und Trödelmarkt zum Verweilen einlädt. Und je näher man den Markthallen des Mercato di Sant´ Ambrogio kommt, desto deutlicher ist der ursprüngliche Charakter des Viertels zu spüren. Wer auf dem Lebensmittelmarkt Appetit auf Florentiner Gerichte bekommen hat, kann diesen hier mit bester Volksküche stillen. Wir verweilen in diesem schönen Quartier und sehen die grüne Kuppel der Synagoge, gebaut 1874-82.
Auf unserem weiteren Weg nach Santa Croce gelangen wir zur Casa Buonarroti. Michelangelo hatte das Haus für seinen Neffen erworben, lebte selbst jedoch nie darin. Heute befindet sich in dem Gebäude ein Institut für Michelangelo-Studien sowie ein Museum mit einigen Jugendwerken des Künstlers: den beiden Reliefs Kentaurenschlacht und Madonna an der Treppe.
Die Franziskanerkirche Santa Croce wurde bewusst in einem der ärmsten Viertel des historischen Florenz errichtet (Baubeginn 1294). Die große Ausdehnung des beeindruckenden, gotischen Innenraums hängt mit der Missionsaufgabe der Franziskaner zusammen. Bei ihren Predigten versammelten sich im wahrsten Sinne des Wortes die Volksmassen. Aus der Fülle der Kunstwerke sind das Altartabernakel und (an anderer Stelle) ein gekreuzigter Christus von Donatello hervorzuheben, desweiteren (rechts vom Chor) Fresken von Giotto, der als der größte Erneuerer der italienischen Malerei und als wichtigster Vorläufer der Renaissance gilt. Vasari schrieb ihm den Verdienst zu, er sei der erste gewesen, der Gefühlsregungen so zum Ausdruck gebracht habe, dass man auf seinen Bildern den Ausdruck von Furcht, Hass, Zorn oder Liebe zu erkennen vermag, (vgl. Peter Burke, Die Renaissance in Italien, 1996). Santa Croce ist auch die Grabkirche vieler berühmter Italiener: Gleich rechts am Eingang steht das Grabmal Michelangelos, von seinem Schüler Giorgio Vasari 1570 geschaffen. Es folgt ein Dantemonument. Der im Exil gestorbene Dichter liegt allerdings in Ravenna begraben. Weitere Grabmale sind die des politischen Philosophen Machiavelli, des Komponisten Rossini, des Renaissancegelehrten Bruni und das von Galileo Galilei. Und eine Grabplatte befindet sich im linken Seitenschiff (vor dem 5. Altar) für den Bildhauer Lorenzo Ghiberti.
Die kleine Pazzi-Kapelle wurde als Domkapitel (und als Grabkapelle der reichen Pazzi-Familie) des Klosters von Santa Croce errichtet. Das Meisterwerk Brunelleschis zählt zu den schönsten Bauwerken der florentinischen Renaissance.
Eine kurze Anreise führt uns am frühen Abend nach Fiesole. Nicht nur die gute Luft, der herrliche Blick auf die Arno-Stadt und die typisch toscanische Landschaft lohnen den Ausflug in das charmante Städtchen. Fiesole ist wesentlich älter als Florenz, es wurde vor nahezu 3000 Jahren gegründet und entwickelte sich zu einer wichtigen Ansiedlung der Etrusker. An der zentralen Piazza Mino da Fiesole erhebt sich der romanische Dom. Ein kurzer steiler Anstieg führt zum Kloster San Francesco, sehenswert sind besonders die Kreuzgänge und der Klostergarten. Zurück zur Piazza Mino, nur wenige Schritte führen uns zum Ausgrabungsgelände. Die antiken Ruinen, das römische Theater, die Thermen, die Tempelanlage und die Stadtmauer stehen in einer reizvollen Landschaft der sanften Hügel, Ölbäume und Zypressen. Ein kleines Museum zeigt etruskische und römische Fundstücke. Gratis zum Essen haben wir einen Blick auf das abendliche Florenz, auf die Domkuppel, auf die Türme und das Häusermeer, im Hintergrund dann auf die Hügel des Chiantigebiets.
4. Tag: Uffizien, Piazza della Repubblica, Ausflug ins Chiantigebiet mit Weinprobe
Die Kunstsammlung der Galleria degli Uffizi befindet sich in einem ausgefallenen, von Vasari errichteten Gebäude und stellt die bedeutendste und umfassendste Gemäldesammlung Italiens dar. Die Uffizien - die ehemaligen Amtsräume - beherbergen in 45 Sälen fast 2000 Objekte. Damit es beim ersten Besuch nicht zu viel wird, hilft nur eins: Beschränkung auf das Wesentliche.
Die in den Uffizien ausgestellten Werke vermitteln einen besonders guten Überblick über die florentinische Malerschule der Renaissance. Die Kunstsammlung umfasst berühmte Meisterwerke von Sandro Botticelli (La Primavera, Die Geburt der Venus, Die Rückkehr von Judith, Die Stärke, Anbetung der Könige, Bildnis eines jungen Mannes mit Medaille), von Fra Angelico (Krönung Mariens, Madonna mit dem Kinde) und Filippo Lippi (Krönung Mariens, Madonna mit Kind und Engeln und vier Heiligen), von Giotto (Madonna Ognissanti), Masolino und Masaccio (Die hl. Anna Selbdritt), von Mantegna (Triptychon, Madonna della cave, Kardinal Carlo de´ Medici) und Michelangelo (Tondo Doni/Hl. Familie), von Raffael (Madonna mit dem Zeisig, Selbstbildnis) und Tizian (Flora, Venus von Urbino), von Paolo Uccello (Die Schlacht von San Romano) und Leonardo da Vinci (Verkündigung, Anbetung der Heiligen drei Könige).
Ferner sind berühmte Gemälde ausgestellt von Baldovinetti (Verkündigung), Giovanni Bellini (Heilige Allegorie, Beweinung Christi) und Caravaggio (Der junge Bacchus, Medusenhaupt), von Castagno, von di Credi (Verkündigung), Correggio (Ruhe auf der Flucht nach Ägypten), Lucas Cranach (Adam und Eva, Portrait Martin Luthers), Dosso Dossi (Liebeszauber), Dürer (Anbetung der Könige), und Gentile da Fabriano (Anbetung der heiligen drei Könige), von Piero della Francesca (Doppelbildnis des Herzogs Montefeltro und seiner Gemahlin), Ghirlandaio (Thronende Madonna mit dem Kinde), Giorgione (Die Feuerprobe Mosis) und van der Goes (Anbetung der Hirten), von Martini (Verkündigung), und Parmigianino (Madonna mit dem langen Hals), von Perugino (Pietà), Antonio Pollaiolo (Herakles und Antäus, Frauenbildnis), Pontormo (Portrait von Cosimo) und von Rembrandt (Selbstbildnis im Alter, Jugendliches Selbstbildnis), von Rubens (Selbstbildnis) und Veneziano (Altartafel von St. Lucia), Veronese (Verkündigung) und Andrea del Verrocchio (Taufe Christi). Außerdem befinden sich in den Uffizien einige wertvolle alte Skulpturen, u.a. die Mediceische Venus.
In einem der vielen traditionsreichen Cafés auf der Piazza della Repubblica machen wir eine ausgedehnte Pause, genießen die Atmosphäre alter Kaffeehäuser, besonders zu erwähnen sind das Paszkowski (oft mit Musik), das Gilli und das Giubbe Rosse, nach den roten Jacken der Kellner genannt. Hier trafen sich in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts vor allem Oppositionelle, Literaten und dem Futurismus nahestehende Künstler.
Gestärkt treten wir unseren Ausflug ins Chianti-Gebiet an. Die weltberühmte Landschaft südlich von Florenz beeindruckt durch sanfte Hügelketten mit Weinbergen, durch dunkle Zypressenreihen und Ölbaumpflanzungen. Wir besichtigen entweder Greve mit seinem stimmungsvollen, arkadengeschmückten Marktplatz oder den nur wenige Kilometer südlich gelegenen Ort Panzano mit seinem gut erhaltenen Stadtzentrum und einer besonders reizvollen Panoramalage. Selbstverständlich bleibt genügend Zeit für leibliche Genüsse, der Besuch eines Weingutes ist ebenfalls beabsichtigt.
5. Tag: Cappella Brancacci, Santo Spirito, Palazzo Pitti
In dem Stadtteil südlich des Arno, Oltrarno, einem Viertel mit unzähligen kleinen Läden und Handwerksbetrieben ist das historische Florenz noch am ehesten lebendig, es scheint das Quartier der „kleinen Leute“ geblieben zu sein. Vergleichsweise wenig Touristen verirren sich in diesen Stadtteil, der nicht nur wegen seiner heimeligen Atmosphäre - beispielsweise die Piazza Santo Spirito - sehenswert sondern auch kunstgeschichtlich von enormer Bedeutung ist.
Die Cappella Brancacci in der Kirche Santa Maria del Carmine wurde zwischen 1424 und 1428 von Masaccio und Masolino bemalt, 1485 von Filippino Lippi vollendet. Vor allem die Werke von Masaccio - die Vertreibung aus dem Paradies, Adam und Eva sowie der Zinsgroschen - zählen zu den bedeutendsten Werken der Renaissance-Kunst. Fra Angelico, Michelangelo und Raffael hatten die Bilder gründlich studiert.
Nur wenige Gehminuten entfernt präsentiert sich die von außen schlichte Kirche Santo Spirito. Der Innenraum aber - von Filippo Brunelleschi - gehört zu den ganz großen Schöpfungen der Florentiner Renaissance-Architektur. Wieder draußen auf der Piazza Santo Spirito laden der hübsche Brunnen, der Baumbestand, die Marktstände, die gemütlichen Cafés und Trattorias zu einer Pause ein.
Obwohl nur wenige Gehminuten, aber ein völliger Kontrast: der Palazzo Pitti. 1457 wurde mit dem Bau des größten Florentiner Palastes begonnen. Verschiedene Kunstsammlungen, u.a. Werke von Filippo Lippi, Raffael (Madonnenbilder), Rubens (Folgen des Krieges), Andrea del Sarto, Tizian, van Dyck sind in dem monumentalen Palast untergebracht. Man erreicht die Museumsräume durch den schönen, 1560 von Ammanati geschaffenen Innenhof. Zur Erholung oder auch alternativ empfiehlt sich ein Spaziergang durch den Giardino di Boboli. Die schönste Parkanlage von Florenz ist mit Brunnen, Grotten und Statuen geschmückt und bietet reizvolle Ausblicke auf die Stadt.
Und noch eine Empfehlung für den Abend: Das wunderschöne und alte Restaurant „Paoli“, Nähe Orsanmichele in der Via dei Tavolini.
6. Tag: Bargello, Palazzo Medici-Riccardi, San Lorenzo, Mercato Centrale, Santa Maria Novella
Der mittelalterliche Palazzo Bargello war noch vor dem Palazzo Vecchio das erste Rathaus der Stadt. 1574 wurde der Palazzo Amtssitz des Polizeichefs - und düsteres Gefängnis. Seit 1865 beherbergt es eines der bedeutendsten Skulpturenmuseen der Welt, u.a. Werke von Michelangelo (Brutus, Trunkener Bacchus sowie das Madonnenrelief Tondo Pitti) und Donatello (Bronze- und Marmor-David, Hl Georg), von Cellini, Ghiberti, Giambologna und Verrocchio (David).
Der Palazzo Medici-Riccardi, in dem bis 1540 die Familie der Medici residierte, wurde von Michelozzo im Auftrag von Cosimo il Vecchio gebaut. Wie die anderen Stadtpalais der reichen Florentiner Familien hat er einen festungsartigen Charakter. Der quadratische Innenhof, dessen heute verglaste Bögen ursprünglich offen waren, wirkt demgegenüber locker und elegant. Ein kleiner Garten bietet Gelegenheit, sich vom Straßengewühl zu erholen. Die Palastkapelle im ersten Stock wurde von Benozzo Gozzoli um 1460 mit einem farbenfrohen, sich über drei Wände hinziehenden Fresko ausgemalt. In diesem Zug der Weisen aus dem Morgenlande tritt uns die Renaissancekultur von ihrer heiteren Seite entgegen. Gozzoli lässt zahlreiche Mitglieder der Medici-Familie, vor allem aber die Teilnehmer am Florentiner Konzil von 1439 erscheinen: So sehen wir an der mittleren Wand in prachtvoller Kleidung den Kaiser von Byzanz, hinter ihm drei Schwestern Lorenzos des Prächtigen; rechts den Patriarchen der Ostkirche und - mit einem Panther - Giuliano de´ Medici; links auf einem Schimmel Piero de´ Medici, davor Cosimo den Älteren; oberhalb (mit einer Inschrift auf dem Hut) ein Selbstportrait des Malers, dahinter sein Lehrer Fra Angelico. Landschaft, Pflanzen, Tiere, Menschen sind mit großer Freude am Detail in lebhaften Farben dargestellt - ein unmittelbar ansprechendes Werk, aus dem Festlichkeit und Lebensfreude sprechen.
Fast übersieht man vor lauter Marktständen die Kirche San Lorenzo. Die Innenausstattung der Kirche, die von Brunelleschi für die Medici gebaut wurde, entstand ganz im Stil der Renaissance. Wir finden drei Reliefs von Donatello (linke Kanzel): die Grablegung Christi bzw. den Abstieg zur Hölle, die Auferstehung, die Himmelfahrt und von Filippo Lippi (im linken Querschiff) die Verkündigung. Die Alte Sakristei ist ein weiteres Werk von Brunelleschi. Der harmonische kleine Bau auf quadratischem Grundriss wird von einer Kuppel gekrönt. Von Donatello stammen die Reliefs an den Bronzetüren. Die Neue Sakristei wurde von Michelangelo als Grabkapelle entworfen. Hier befinden sich die beiden berühmten Grabmäler von Lorenzo und Giuliano Medici mit Gedenkstatuen von Michelangelo, mit kunstvollen Allegorien von Morgenröte und Abenddämmerung, von Tag und Nacht, sowie einer Madonna mit Kind - Skulpturen von bisher nicht gekannter Ausdruckskraft.
Vor dem Kloster befindet sich die Biblioteca Laurenziana, ebenfalls ein Gebäude von Michelangelo. Das Gebäude diente der Unterbringung der kostbaren Medici-Bibliothek. An der linken Seite der San-Lorenzo-Kirche lädt ein ruhiger Renaissance-Kreuzgang zum Ausruhen ein.
Endlich nehmen wir uns Zeit, über den Markt zu schlendern, dessen Angebot (Kleidung, Lederwaren, Souvenirs) sich vor allem an Touristen richtet. Den Markt der Einheimischen findet man nur wenige hundert Meter weiter. Im überdachten Mercato Centrale erstrahlt die ganze Palette italienischer Essgenüsse. Wer Appetit bekommen hat, kann auch hier im Markt direkt Florentiner Küche schmecken.
Die Piazza Santa Maria Novella öffnet sich im Gewirr der dunklen Altstadtgassen als sonnige Oase (der Ruhe). Die beiden Obelisken dienten einst als Wendemarken bei Pferderennen. An der Südseite des Platzes steht die Loggia di San Paolo, die Renaissancefassade eines ehemaligen Krankenhauses. Die Fassade der Dominikanerkirche Santa Maria Novella zeigt eine abwechslungsreiche Ornamentik in Weiß- und Grüntönen, ebenfalls feine Marmorplatten, wie wir es bereits vom Dom und vom Baptisterium her kennen. Der Innenraum gehört zu den schönsten Schöpfungen der florentinischen Gotik. Im Sinne der strengen Ideale des Bettelordens blieb das ab 1246 erbaute Gotteshaus fast schmucklos: ein schlichter, großer Versammlungsraum der Gläubigen. Später aber weichten die harten Grundsätze der Mönche auf, sie öffneten ihre Kirche der Kunst. Reiche Familien stifteten nun für ihr Seelenheil Kapellen und ließen sie von berühmten Meistern schmücken.
Die Hauptchorkapelle ist vollständig mit Fresken von Ghirlandaio (1485-90) ausgemalt. Er dokumentiert sein Interesse an der „diesseitigen Welt“, seine liebevoll bis ins Detail versunkene Kunst zeigt - oft fotografisch genau - Szenen aus dem Leben der Florentiner Oberschicht: Er verlegt die Heiligengeschichten ins Florenz um 1500. In der Kapelle rechts vom Hauptaltar finden wir Fresken von Filippino Lippi, die die Wundergeschichten und das Martyrium des hl. Philipp und des Evangelisten Johannes darstellen. In der Kapelle links vom Hauptaltar hängt ein Holzkruzifix von Filippo Brunelleschi. Und an der Wand des linken Seitenschiffes sehen wir das vielleicht wichtigste Fresko der Renaissance, die Dreifaltigkeit von Masaccio, um 1425 entstanden. Erstmalig wird hier die perspektivische Darstellung (die Idee der Zentralperspektive war erst wenige Jahre zuvor wissenschaftlich entfaltet worden) mit mathematischer Präzision durchgehalten.
Links vor der Kirche findet man den Zugang zum ehemaligen Dominikanerkloster. Es ist in die Kirchengeschichte eingegangen, als hier 1439 während des Konzils von Florenz der Papst Eugen IV. mit seinem vielhundertköpfigen Gefolge residierte. Im Kloster und im Kreuzgang sind heute ebenfalls Kunstwerke und Fresken zu bewundern.
7. Tag: Rückreise, evtl. mit einem Aufenthalt in Lucca
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